Side Chair und Diamond Chair: Wie Harry Bertoia eine Legende schuf

Die Bertoia Collection gilt heute als Klassiker des Mid Century Modern. Bertoia Side Chair und Bertoia Diamond Chair sind nicht nur Kennern ein Begriff. Dennoch kennen nur wenige die bewegte Geschichte hinter den Stühlen – und warum sie dem Eames Wire Chair so sehr ähneln.

„Arbeite, an was du willst“

Als Florence Knoll im Jahr 1950 ihren Brief an Harry Bertoia verfasst, hat der dem Möbeldesign gerade den Rücken gekehrt. Nach Urheberrechtsstreitigkeiten mit seinen langjährigen Freunden Charles und Ray Eames hatte er zuvor die Zusammenarbeit mit dem legendären Designerehepaar beendet, und sich mit dem Verkauf von Druckgrafiken und Schmuckstücken über Wasser gehalten.

Florence Knoll ist Geschäftsführerin beim Möbelunternehmen Hans Knoll und ebenso wie die Eames eine Freundin aus Studienzeiten. Sie ist von Bertoias Talent überzeugt und will ihn dazu bewegen, Möbel für Knoll zu entwerfen. „Arbeite an was Du willst. Sollte dabei ein Möbel entstehen, um so besser”, schreibt sie. Bertoia willigt ein. Und soll wenig später einen Design-Klassiker der Möbelgeschichte erschaffen.

Ein Künstler mit Leidenschaft für Metall

Bertoia, Jahrgang 1915, begriff sich zeitlebens mehr als Künstler denn als Designer. Nachdem er im Alter von 15 Jahren von Italien nach Amerika übergesiedelt war, besuchte er verschiedene Kunsthochschulen, lernte das Juwelierhandwerk, und erhielt schließlich ein Stipendium an der renommierten Cranbrook Academy, der amerikanischen Antwort auf das deutsche Bauhaus.

Dort lernte er unter anderem die Eames, Florence Knoll, Walter Gropius oder Eero Saarinen kennen, und wurde schon bald zum Leiter der Metallwerkstätten ernannt. Gemeinsam mit den Eames, deren Hochzeitsring er sogar entwarf, ging er in den 1940er Jahren nach Kalifornien und arbeitete unter ihrer Leitung an Möbelentwürfen. Zum Bruch kommt es schließlich, als der Metallkünstler eine Miturheberschaft am Eames Wire Chair einfordert und abgewiesen wird.

Ein Stuhl, der Gegensätze in sich vereint

Erfolg soll er später dennoch mit seinen Drahtgitterstühlen haben. Zwischen 1950 und 1952 entwirft Bertoia für Knoll International eine Serie aus Drahtgittermöbeln, die als Bertoia Collection in die Möbelgeschichte eingehen wird – darunter der legendäre Bertoia Diamond Chair sowie der Bertoia Side Chair, der als Gegenentwurf zum Eames Wire Chair angesehen werden kann.

Die Anziehungskraft der Sitzmöbel liegt vor allem in ihren Gegensätzen. Kühles Drahtgestell auf der einen Seite, organische Formen auf der anderen. Ein scheinbar starres Raster, das sich bei genauem Hinsehen im Fluss befindet. Und über allem ihre konstruktive Leichtigkeit. Bertoia selbst beschrieb es einmal: „Diese Stühle bestehen hauptsächlich aus Luft, wie eine Skulptur. Der Raum fließt förmlich durch sie hindurch.“

Bertoia Collection: Heute so aktuell wie damals

Dieser Leichtigkeit kommt noch ein anderer Umstand zugute. Denn das Drahtgitterkonzept weist so starke Parallelen zum Eames Wire Chair auf, dass die Firma Herman Miller ihr Patent verletzt sieht und sich vor Gericht durchsetzt. Bertoia nimmt noch einmal Anpassungen vor: Die Einfassung aus zwei parallelen Drähten weicht einer einzelnen Drahtumrandung, was den Stühlen nochmals mehr Leichtigkeit verleiht.

In den kommenden Jahren entwickelt besonders der als Sessel konzipierte, ausladende Diamond Chair sich zum Verkaufsschlager. Die Serie verkauft sich so gut, dass Bertoia  sich durch die Lizenzeinnahmen fortan ganz der Kunst, seinen bildhauerischen Arbeiten und Klangskulpturen widmen kann.

Heute sind die Bertoia Stühle so aktuell wie damals. Ein Design für die Ewigkeit, voll stilvoller Eleganz und unaufdringlichem Charme. Bis heute wird die Bertoia Collection von Knoll International in ihrer ursprünglichen Form vertrieben.

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